16. Januar 2014

Wie schädlich ist das Flammschutzmittel HBCD in PS-Schaumplatten?

Das büro für umweltchemie hat im Auftrag des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich eine Risikoeinschätzung von HBCD gemacht. Der Fokus der Stellungnahme lag bei den Konsequenzen des in anderthalb Jahren in Kraft tretenden Verbots.

Zürich – Leimbach 2013. Auch diese Perimeterdämmung aus XPS enthält  HBCD als Brandschutz-Additiv.

Zürich – Leimbach 2013. Auch diese Perimeterdämmung aus XPS enthält HBCD als Brandschutz-Additiv.

Das Verbot ist im Sinne eines vorsorglichen und nachhaltigen Schutzes der Biosphäre gerechtfertigt. In der Diskussion möglicher Konsequenzen des Verbots mit Blick auf die im Bestand vorhandenen PS-Schaumplatten gilt es jedoch zu differenzieren und die Verhältnismässigkeit von Massnahmen ist zu berücksichtigen. Unbestritten ist das grosse Bioakkumulationspotential von HBCD. Allerdings besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen der Persistenz einer Substanz in der Umwelt und ihrer Toxizität. Gemäss dem global harmonisierten Gefahrstoff­kennzeichnungssystem (GHS) ist HBCD weder als akut toxisch, noch als krebserzeugend, erbgutverändernd, reizend, ätzend oder gewässer­gefährdend eingestuft. In dieser Hinsicht ist das Flamm­schutzmittel harmloser als die meisten heute bewilligten Biozide oder Inhaltsstoffe von Farben, welche in die Umwelt gelangen. Zudem wird HBCD im Vergleich mit anderen Emissionen im Bausektor nur in sehr geringen Mengen ausgewaschen oder an die Innenraumluft abgegeben. In Bezug auf die PS-Dämmplatten im Gebäudebestand besteht deshalb kein Handlungsbedarf. Auch beim Abbruch und der Entsorgung kann das HBCD in Dämmstoffen kaum als Risiko bewertet werden.  Dies wird auch von einer europäischen Studie bestätigt. Gemäss Basler Konvention sind PS-Schaumplatten  keine Sonderabfälle. Für den Rückbau und die Entsorgung von PS-Schaumplatten sind keine besonderen Sicherheits- oder Personenschutzmassnahmen erforderlich. Auch können HBCD-haltige EPS-Platten weiterhin ins Recycling fliessen. Bei recyclierten EPS-Produkten stammen 90% der verwerteten Abfälle aus der Produktion, wodurch der HBCD-Gehalt im recyclierten Produkt unter der Bagatellgrenze zu liegen kommt. Somit sollte die Reyclierbarkeit von EPS-Wärmedämmplatten durch das in Aussicht gestellte HBCD-Verbot nicht in Frage gestellt sein.